Geistliches Wort

Foto Gabi Fleischmann in Pfarrbriefservice.de

Wenn der Mensch nicht mehr von der Vergangenheit her bestimmt wird und wenn die Zukunft nicht mehr das ist, was (wie sonst) seine Hoffnungen mobilisiert, entsteht plötzlich eine unerwartete Gegenwart,“ stellt der Schweizer Historiker François Bovon fest.

 

Eine unerwartete Gegenwart - eine Pandemie mit Lockdowns, eine steigende Inflation, der zunehmend feststellbare Klimawandel, die Energiekrise mit steigenden Preisen für Strom und fossile Brennstoffe, wieder Krieg in Osteuropa, die sinkenden Zahlen der Kirchenmitglieder und die damit einhergehende Entfremdung der Kirche von der Gesellschaft und ihren Problemen … ja, die Liste ist lang und könnte ergänzt werden.

 

Eine unerwartete Gegenwart haben wir - wahrlich - und doch fordert sie uns heraus zum Handeln. Entweder reagieren wir aber nur auf die Herausforderungen dieser Zeit oder wir nehmen das Ruder in die Hand und agieren aktiv und gestalten damit auch unsere Zukunft.

Bovon sieht zwei Ursachen für die Misere dieser unerwarteten Gegenwart: den Verlust der Verbindung zur Vergangenheit und den Verlust einer Zukunftsvision.

 

Am 14. September stellt uns das Fest Kreuzerhöhung beides vor Augen.

Denn der Ursprung dieses Festes erinnert an den Weihetag der Grabeskirche in Jerusalem mit deren Bau Konstantin auch an die Wiederauffindung des Kreuzes durch seine Mutter Helena erinnert.

Es geht bei Kreuzerhöhung um die Erinnerung und Vergegenwärtigung, was vor 2000 Jahren einst in Jerusalem geschehen ist: Leiden, Sterben, Tod und Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus. Und gleichzeitig ist das Kreuz Jesu das große Plus-Zeichen, das uns allen vor Augen gestellt wird, das Siegeszeichen über Schuld und Tod und somit Garant und Träger der Verheißung Jesu: „Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten“ (Mk 8:34f).

Unsere Vorfahren im Glauben haben durch das Beispiel Jesu und in seiner Nachfolge die Krisen ihrer Zeit immer bewältigt und fanden in der Vision Jesu vom Reich Gottes auf Erden ein erstrebenswertes Ziel, für das es sich zu leben und zu sterben lohnt.

 

Das Fest Kreuzerhöhung stellt uns unser christliches Leitbild vor Augen. Ich wünsche Ihnen, liebe Pfarrangehörige, dass Sie ermutigt werden, sich neu mit unseren christlichen Wurzeln (Vielleicht auch durch die Teilnahme an der Ökumenischen Studien- und Pilgerfahrt unserer PG Schweich mit der
Ev. Kirchengemeinde Ehrang in der kommenden Osterzeit ins Heilige Land?!) und der Vision Jesu zu befassen, damit unsere Gegenwart nicht unerwartet, sondern lebendig ist, weil ER in unserer Mitte ist und durch und mit uns erfahrbar wird.

 

Ihr Kooperator Pfr. Axel Huber