Männertreff im März

Strukturwandel der Kirche -

damit beschäftigte sich der Männertreff der Pfarreiengemeinschaft Schweich im März.

Wenn ich nun einen Bericht dazu schreiben soll, dann muss ich zuerst bei dem Referenten beginnen.
Lieber Georg Bajor, wenn ich in 21 Jahren, im zarten Alter von 85 Jahren, noch so viel „Dampf“ habe, dann kann ich nur dankbar sein. Sie haben uns eine spannende Stunde geschenkt!

Man konnte ihm gut zuhören, wenn er aus seinem handgeschriebenen Konzept vortrug und dies mit der ein oder anderen Begegnung aus seinem bewegten Leben ergänzte. Ich war restlos beeindruckt von diesem Referenten, der in klaren Worten nicht die üblichen Dinge wie Missbrauch und Struktur für die Krise der Kirche benannte.

Die Beschleunigung zum Wandel der Kirche begann mit der modernen Wissenschaft. Die Welt ist nicht 5000 Jahre alt, wie im Alten Testament beschrieben, sondern 14 Milliarden Jahre. Das Sonnensystem ist endlich, mit errechnete weiteren 5 Milliarden Jahren.
Das Beharren der Kirche auf den alten Bibelauslegungen hat deutliche Risse aufgezeigt. Das Bild des „Schöpfergottes“, passt nicht mehr in die Erkenntnisse der Wissenschaft. Die Antwort auf Darwin ist noch heute in der Kirche heftig umstritten. Die Gläubigen werden allein gelassen oder vielleicht für „zu dumm“ gehalten.

Die sinkenden Zahlen der Kirchentreuen entwickeln sich schon seit den frühen 90-er Jahren. Weniger Trauungen, Taufen, Firmungen, die Abwanderung aus den Kirchen entspricht der gesellschaftlichen Gesamtentwicklung. Werte wie Gehorsam, Ordnung, Disziplin standen 1968 noch an erster Stelle der Erziehung. Heute ist es an erster Stelle die Selbstständigkeit, zu der die Kinder erzogen werden. Da passt eine hierarchisch geführte Kirche nicht zum Leben.

Unsere Generation kennt sie noch, die Drohung mit dem Teufel. Wie lange hat die Kirche daran festgehalten. Der Satan, das Fegefeuer, die schrecklichen Beschreibungen des Unheils. Die Kirche hat sich „Gott sei Dank!“ vom Teufel verabschiedet. Aber auch hier, für Viele viel zu spät.

Fast vergessen, der Frust nach der Aufbruchsstimmung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Die fortschrittlichen Stellungen zur Sexualmoral der Kirche war ein Zeichen von Aufbruch und wurde von Papst Paul VI. wieder ausgebremst (Humane vitae). Eine Entscheidung, die in vielen Teilen der Kirche nicht nachvollzogen werden konnte. Die Weltbevölkerung steuert auf 8 Milliarden Menschen zu. Die Familien wollen selbst bestimmen, wie groß die Kinderzahl ist. Dahinter stellte sich auch die Deutsche Bischofskonferenz, mit ihrer Königsteiner-Erklärung. Ein Sinnbild für die Spaltung von Rom und die Enttäuschung vieler aufbruchsbereiter Menschen.

Ist die Strukturreform nun der Heilsbringer für unsere Kirche?

Geht es nicht zu schnell, dass neue Dinge gestrickt werden, ohne dass man das Alte verabschiedet hat. Trauer- und Aufklärungsarbeit wären notwendig, um neue Formen des gemeinsamen Erlebens im Glauben zu verschaffen. Man darf auch die Menschen nicht vergessen, die ein Amt haben und nicht wirklich hinter dem Aufbruch in eine neue Struktur stehen.

Wie viele Priester stehen wirklich hinter dem Torpedo, dass einige wenige Amtsbrüder in Richtung Rom gezündet haben, um ihrem Bischof und dem Synodalen Weg nicht folgen zu müssen?

Wie beharrlich sind die Gläubigen, die an den alten Strukturen festhalten wollen?

Zum Schluss stellte er die Frage: Wie kann in einer „Gesellschaft der Singularitäten“ (Reckwitz, 2017) eine Gemeinschaft der Gläubigen gedacht werden? Und antwortete mit Karl Rahner, der meinte, „der Christ der Zukunft wird ein Mystiker sein, also ein individuell Gottsuchender“.

Allerdings werden die Mystiker eine Minderheit sein.

Im anschließenden Gespräch konnte jeder aus seiner Erfahrung sprechen und diese Inhalte waren so individuell, so dass jeder seinen Vortrag über seine Kirche hätte halten können.

Ein Ergebnis gab es nicht, doch ich danke nochmal diesem dynamischen Referenten Georg Bajor, der mich nachdenklich nach Hause geschickt hat.

 

… zum Ende meines Berichtes setze noch ein Wort von Martin Buber

„Alles im Leben ist Begegnung!“

          … und deshalb freue ich mich auf den nächsten Männertreff!

 

  22. März 2023, 15 Uhr, Spieltreff im „Haus des Sports“

  05. April 2023, 15 Uhr, Geschichte und Geschichten zum Heilbrunnen am Heilbrunnen

 

Jürgen Schmitt, Schweich